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Umweltschutz: Alles nur Show!
Glaubwürdigkeit wird gewiss nie zum Wort des Jahres gekürt. Schon allein deshalb nicht, weil der Begriff im Wortschatz von Politikern höchst selten vorkommt. Verbaler Ballast, auf den man gern verzichten kann. Weil es in der Politik nicht zuerst um Glaubwürdigkeit geht. Im Mittelpunkt steht ein anderes Anliegen: die Show. Eindruck machen!
Wenn allein Fototermine für die Medien dazu herhalten müssten, wäre das Spektakel noch zum Aushalten. Aber da werden ganze Seifenopern inszeniert, um symbolische Botschaften zu vermitteln, die mit der Realität nichts zu tun haben. Da steigt schon mal ein Umweltminister demonstrativ – damit es möglichst viele mitkriegen – nicht ins Flugzeug und auch nicht in eine edle Limousine mit Chauffeur, sondern in einen Zug. Und lässt sein Auto zum Zielort nachkommen. Alles schon da gewesen.
Politiker können tatsächlich so gewickelt sein. Ihr Hang zur Show ist nicht die Ausnahme, und er lässt sich länderübergreifend verfolgen. Unter entsprechendem medialem Trommelwirbel reiste der schweizerische Umweltminister Leuenberger jüngst mit einem fast 80-köpfigen Begleitertross im Sonderzug zum Umweltgipfel nach Kopenhagen. Und wie ging es wieder zurück in die Schweiz? – Per Flugzeug. Und zwar – wenn schon, denn schon – mit dem nach Kopenhagen beorderten Jet des schweizerischen Bundesrates.
Symbolik mit doppeltem Boden! Dazu passt, dass die fast 40 deutschen Städte, die Umweltzonen eingerichtet haben, dank dieser Symbolik keinen öffentlichen Tadel befürchten müssen. Schließlich dokumentieren aufgestellte Sperrschilder umweltpolitische Konsequenz und Entschlossenheit. Leere Symbolik? – Was macht es schon, dass die Wirksamkeit von Umweltzonen umstritten ist.
Zu Recht verlangt der ADAC jetzt von der Bundesregierung, dass eine wissenschaftliche Überprüfung endlich für Klarheit sorgt. Bekannt ist bisher, dass Straßenfahrzeuge nur zu einem kleinen Teil zur Feinstaubbelastung beitragen. Dabei kommt Feinstaub beileibe nicht nur aus dem Auspuff von Dieselfahrzeugen. Auch aufgewirbelter Straßenstaub wird von den Messgeräten erfasst. Bei Schienenfahrzeugen und deren Bremsstaub gelten die Sperrschilder von vornherein nicht, und auch sonst scheint nicht weiter zu interessieren, was im Umfeld der Messstellen noch so alles Feinstaub emittiert; Industrieanlagen gehören auf jeden Fall dazu.
Warum sich die Mühe machen, nach weiteren, vielleicht ergiebigen Feinstaubquellen zu fahnden, die sich womöglich gar nicht schließen lassen! Das Aussperren von Autos und das Verteilen von „Umwelt-Plaketten“ geht schnell, bringt Geld in die Kasse und – hat eine wertvolle emotionale Komponente: Symbolkraft. (automobilreport.com/ar/Wolfram Riedel)
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